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Redwood State und National Parks

Mühsam kämpft sich die Sonne durch den dicken Nebel in den Tag. Und genauso mühsam kämpfen wir uns aus dem Bett. Die Nacht war hart – Ella hatte heute Nacht wohl starke Schmerzen, die wir nicht lindern konnten und so war die Nacht für uns Alle viel zu zeitig zu Ende.

Frühstück und Vorfreude konnte unsere Laune zwar beschwingen, doch der dicke Nebel auf der anderen Seite der Glasscheibe tauchte die Landschaft in mystische Hüllen.

WEGE GESÄUMT VON NATURRIESEN

Gebannt von diesem Anblick begaben wir uns auf die 2,5 stündige Fahrt zum Redwood Nationalpark. Da wir hier sogar Radioempfang hatten wurden wir begleitet von Musik. Der Anblick der riesigen Bäume faszinierte uns schon am Highway – und wir waren noch nicht einmal in der Nähe vom Nationalpark. Unser Weg führe uns auch entlang eines breiten, mit Kies bedeckten Flussbettes in dessen Mitte ein türkisfarbener Fluss schlängelte. Hinter der Kurven tauchten mitunter Brücken vor uns auf, die einen herrlichen Blick auf dieses freigaben.

Bereits mitten im Park: Die Route führt uns durch einen wundervollen Redwood-Wald.

DURCH EUREKA UND ENTLANG AN LAGUNEN

Nach gut zwei Drittel der Strecke tauschten wir den Fluss gegen die Küste und ihre Lagunen aus. Während westlich von uns das Meer schimmerte und uns mit seinen Wellen verzauberte entfaltete sich östlich der Straße eine breite, mit Wasserpflanzen durchzogene Lagune. Der Anblick war wunderschön und wurde nur durch das stark reflektierende Sonnenlicht beeinträchtigt.

Eureka ist eine verschlafene kleine Stadt die wir aufgrund der Straßenführung einmal komplett erkunden konnten. Hier und da reihen sich Fastfoodketten aneinander, dann wieder Wohnhäuser im typisch kalifornischen Stil (Matthi würde an dieser Stelle sicher sein Veto bei dieser Beschreibung einlegen, aber ich fand das hier sehr typisch) und wurden abgewechselt von Autohändlern.

ACHTUNG ELCHE!

Als Matthi mir erzählte, dass es hier Elche geben soll, dachte ich im ersten Moment er würde mich veralbern. C’mon! Elche? In Kalifornien? Never!

Aber was weiß ich schon. Wir sind in den vergangenen Tagen von Frühling zu Sommer, dann zu Winter und jetzt schließlich zu Herbst gewechselt und haben neben Berglöwen und Grizzlies auch Landschildkröten erfolgreich ausgelassen. Wieso überraschen mich jetzt also Elche noch…

Wir hatten kaum diese Unterhaltung beendet, als ein Hinweisschild auf eine Elchwiese hinwies. Und tatsächlich – dort stand eine Herde relativ großer, Rehartiger Tiere mit Geweihen. Nach späterer Recherche wissen wir, dass waren tatsächlich Elche und die sehen hier ganz anders aus als in Schweden und Norwegen. Eher wie die Rentiere vom Weihnachtsmann.

ELK PRAERIE UND ANDERE WELTEN

Angekommen im Nationalpark sammelten wir zuerst unseren Stempel in den Reisepässen ein. Mittlerweile ein schönes Ritual bei Nationalparkbesuchen. Da es hier einen kleinen, für Rollstuhlfahrer geeigneten, Rundweg gab entschieden wir uns Ella etwas ihre Geländetauglichkeit ausbauen zu lassen. Also stiefelten wir drei durch eine Baumpforte wie in ein anderes Reich. Was wir hier gesehen haben lässt sich auf den Fotos nur sehr schwer einfangen. Denn es gab da diese riesigen Bäume und leuchtend grüne Farne aber die wiederholten sich in etlichen Ebenen wieder und wieder. Fasziniert von diesem Anblick wanderten wir also über den Weg durchs Unterholz und kamen uns ziemlich klein vor. Während Matthi versuchte die schönsten Motive die sich hier boten mit der Kamera einzufangen versuchte ich selbiges mit dem Kind, welches ganz erpicht darauf war giftige Farne zu streicheln.

Am Ende unseres Rundwegs gab es für Ella eine Stärkung im Camper und wir führten unseren Besuch im Auto weiter fort.

Ella und Lisa genießen den Spaziergang durch den Urwald.

In Amerika ist alles darauf ausgelegt es mit dem Auto zu erreichen. Uns kam es reichlich dumm vor einen Nationalpark mit dem Auto zu durchstreifen und Abgase in die Luft zu pusten. Wir mussten uns aber eingestehen, dass wir mittlerweile ziemlich erschöpft davon sind das 11 Kilo Kind in der Manduca zu schleppen und die Entfernungen hier einfach immens sind.

FRISCHE BRISE

Nach dem Nationalpark legten wir noch zwei Zwischenstopps an Stränden ein, die wir auf dem Hinweg gesehen hatten.

Der erste hatte gerade Ebbe und so konnten wir durch die großen Felsen spazieren. Am hinteren Ende des kleinen Strandes entdeckten wir jedoch, dass das Wasser ziemlich schnell zurück floss und so nahmen wir die Beine in die Hand und gingen zurück zum Auto. Hier haben wir das ersten Mal den Generator genutzt, um die Mikrowelle mit Strom zu versorgen, damit wir Ella etwas zu essen machen konnten.

Nach unseren Strandausflügen setzten wir die Fahrt zurück zum KOA fort. Beim ins Bett bringen von Ella sind wir dann alle drei gleichermaßen eingeschlafen.

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Placerville → Benbow via Sacramento

AUF DEN SPUREN DES WILDEN WESTENS

Die Sonne scheint und wir fühlen uns fitter als gestern. Begrüßt wird der Tag indem wir mit Ella Ziegen auf dem Campingplatz streicheln. Ziemlich putzige Vierbeiner. Ella hat, wie bei allen Tieren außer Hunden, ihr Pokerface aufgesetzt. Macht nichts, Mama ist begeistert. Lange dauert unser Morgen nicht, denn wir haben einiges an Weg vor uns. 265 Meilen. 4,5 Stunden reine Fahrtzeit.

ERSTER HALT: HAUPTSTADT

Im Reiseführer haben wir vorher geschaut, ob Sacramento einen Zwischenstop wert ist:

»An seinen 485.000 Einwohnern […] gemessen rangiert Sacremento weit hinter den großen Metropolen, ist aber Hauptstadt von Kalifornien und Sitz von Regierung und Parlament. Mit von Bäumen gesäumten Straßenzügen und zum Teil viktorianischen Häusern wirkt der ohne gigantische Wolkenkratzer auskommende Kern verglichen etwa mit Los Angeles oder San Francisco nicht sehr großstädtisch.«

Wir fanden es war einen kleinen Zwischenstopp wert, gerade weil es auf dem Weg lag.

Dort angekommen konnten wir recht schnell einen geeigneten Parkplatz für unseren großen Camper ausfindig machen und begannen unseren Rundgang in »Chinatown«. Chinatown bestand aus 3 Häusern, die im Stil von Chinesischen Pagoden erbaut wurden. Sehr plakativ aber definitiv einen Grund zu schmunzeln.
Wir überquerten die Straße und wurden dabei beinahe von einer unaufmerksamen Autofahrerin angefahren. Den Schreck abklopfend begaben wir uns unter einer Brücke hindurch, welche sich, bestehend aus mehreren einzelnen Spuren, über unseren Köpfen in verschiedene Richtungen wund.

Die Altstadt selbst hätte nicht besser aus einem Buch über einen Helden des Wilden Westen entspringen können. Es gab holzbeplankte Gehwege mit Geländern und Falsche Fassaden. Wir haben sogar eine Straße gefunden bei der es zudem in der Mitte auch an asphaltierter Straße mangelte und witzelten über bevorstehende Duelle.

Jeder Saloon hat seine schwingenden Türen gegen moderne Einrichtung getauscht.
Für alle Interessenten:
Es gibt freistehende Lokale!

Unsere Weg führte uns weiter Richtung Sacramento River. Hier gab es alte Eisenbahnen und Bahnhöfe zu bestaunen, welche nun als Andenken zu Schau gestellt werden. Unweit entfernt schimmerte uns eine kleine Version der Golden Gate Bridge entgegen – ganz in Gold. Ich vermute an dieser Stelle einfach mal, dass es eine Anspielung auf die vergangenen Goldschürferzeiten ist.
Von der Brücke aus läuft man dann direkt auf das Capitol zu. Wir sind den Weg nicht komplett bis vor gelaufen, sondern entschieden uns, den Rückweg zum Auto anzutreten. Insgesamt ist die Stadt recht verschlafen, hat aber durchaus Charme!

AUF NACH BENBOW

Unseren ursprünglich gebuchten Campingplatz haben wir heute ausnahmsweise nicht angesteuert. Denn wir entschieden einen weiteren Weg auf uns zu nehmen, damit wir morgen nicht so weit in den Nationalpark fahren müssen. Von Sacramento aus zirka dreieinhalb Stunden entfernt.

Unser Weg führte uns durch romantischere Weinbaugebiete mit kleineren und größeren Weingütern. Leider konnten wir keine Weinverkostung machen, da wir noch fahren mussten.
Je weiter wir fuhren, desto üppiger wurde die Natur und die Landschaft wurde zu grasgrünen Hügellandschaften aus denen hier und dort die Felsen herauslugten.

Gegen Ende der Fahrt tauchten wir dann gänzlich in die Welt der Nadelhölzer ein und fanden uns inmitten einer wunderschönen Nadelwald-Landschaft wieder. Wir fuhren immer entlang eines Flusses, auch wenn dieser zum Teil einige Meter unter uns lag. Der spannendste Abschnitt war jedoch direkt am Richardson Grove State Park, als die Straße gerade so breit war, dass wir zwischen Redwood-Riesen hindurch fahren konnten. Hier wurde es trotz Sonnenschein plötzlich nachtdunkel.

Auf einmal Wald: Je weiter wir in den Norden Kaliforniens fahren, desto höher werden die Bäume.

Den restlichen Weg legten wir bei beschwingter Jazz-Musik zurück, die ich im Radio gefunden hatte und bestaunten, welche wundervolle Wirkung die Natur hier auf uns machte. Wir fühlten uns irgendwie ein bisschen wie zu Hause (obwohl hier natürlich ganz andere Bäume wachsen als zu Hause).

Nicht weit dahinter konnten wir dann vom Highway direkt auf unseren Campingplatz fahren, welcher nun wieder ein KOA ist.
Nach einem kurzen Plausch mit der Mitarbeiterin, welche uns freundlicher Weise mit Werkzeug aushalf, damit wir den verkanteten Wasserdruckminderer endlich wieder vom RV lösen können, beendeten wir den Tag im Camper glücklich und zufrieden.  

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Yosemite National Park

Als wir am Morgen aufwachen sind die Gräser hinter unserem Auto mit Raureif bedeckt, die Sonne lässt sie wunderbar glänzen. Nach dem wir auch für den heutigen Tag die Vorräte vorbereitet hatten fuhren wir los. Bis zu unserem Ziel, dem Yosemite Village, liegen unendlich viele Serpentinen, ein Tunnel und etliche Höhenmeter.

Gestern Abend hatten wir bereits bei der Info-Hotline angerufen: Alle (geöffneten Straßen) sind ohne Schneeketten passierbar. Aus diesem Grund entscheiden wir uns dazu über die Wawona Road direkt aus dem Süden in den Park zu fahren. Die Alternative wäre eine nicht über die Berge verlaufender Highway Richtung Mariposa und El Portal gewesen. Hintergrund der ausgewählten kurvigen Route ist auch, dass wir bei unserer Fahrt den Tunnel View direkt ansehen können, dazu aber später mehr.

Lisa und Ella fühlen sich bereits vor dem Start nicht so wohl, sodass sich Lisa auf die Rückbank zu Ella setzt und ich heute fahre. Die Straße ist gut ausgebaut aber sehr kurvenreich, sodass Lisa schnell vom Rücksitz auf den Beifahrersitz flieht, um halbwegs über die Runden zu kommen.

WELCOME TO YOSEMITE NATIONALPARK

Wir erreichen den Yosemite Nationalpark über den South Entrance, zeigen unseren Jahrespass vor und dürfen passieren. Wir haben noch reichlich eine Dreiviertel Stunde Fahrt übrig. Während wir uns durch den dichten Nadelwald schlängeln kommen immer mehr Lichtungen zum Vorschein. Große kahle Flächen, die den letzten Waldbränden zum Opfer gefallen sind. Ein großes Warnschild weist darauf hin, dass noch nicht alle Gefahren beseitigt sind und vorsichtig zu fahren ist.

Allein bei dem für diesen Anblick verantwortlichen Feuer im Jahr 2019 entstand ein Schaden auf über 45 Quadratkilometern.

Hier gibt’s eine Karte mit allen Naturkatastrophen der letzten Jahre.

Für mich ist es ein ergreifendes Gefühl durch den Yosemite zu fahren. Einer meiner größten Träume wird damit wahr.

Nach eine paar Frischluft-Pausen erreichen wir den etwa eine Meile langen Tunnel, hinter dem sich der Blick ins Yosemite Valley erstmals richtig öffnet. Gleich hinter dem Tunnel befindet sich ein Parkplatz, bei dem ich sofort aus dem Auto springe um Fotos zu machen. Wir sind da. Wir sind im Yosemite angekommen.

MIRROR LAKE TRAIL

Wir fahren noch die übrigen drei Meilen bis ins Tal hinein, aber nicht ohne noch mindestens zweimal für weitere Fotos am Straßenrand zu halten. Wir parken unser RV an der Straße und schauen in die Karte, die wir an der Parkzufahrt erhalten hatten. Frische Luft tut Lisa sicher gut; wir planen also eine kleine Wanderung bis zum Mirror Lake. Wir hüllen uns in Wintersachen und packen die letzten Kleinigkeiten in den Tagesrucksack. Auf unserer Wanderung passieren wir das Yosemite Village und sammeln unseren Nationalpark-Stempel ein. Das berühmte Ahwahnee Hotel lassen wir rechts liegen, etwa 1,8 Meilen liegen hier noch vor uns bis zum Ziel.

Der Half Dome ist 2.693m hoch und wurde 1875 von George G. Anderson das erste Mal bestiegen.

Über einen gut befestigten Weg, der teilweise mit Schnee und Eis bedeckt war, kommen wir dem Half Dome näher, unter dem der Mirror Lake liegt. Die Felswände um uns herum reichen mehrere hundert Meter in die Höhe. Wir setzen jeden Schritt vorsichtig und sind zu einem andächtigen Flüstern übergegangen.

Nach reichlich einer Stunde am See angekommen genießen wir kurz den Ausblick und machen uns direkt auf dem Rückweg. Ella hat dabei die ganze Zeit in der Trage geschlafen und wurde erst auf dem Weg zum Auto wieder wach. Am Ahwahnee Hotel haben wir uns dann in den Shuttle-Bus gesetzt und sind die zwei Stationen bis zu unserem Auto gefahren. Das war eine gute Abwechslung für die müden Beine und schweren Schultern vom Tragen.

ROADTRIP HEISST VIEL ZEIT IM AUTO VERBRINGEN

Bei einem kleinen Snack und einem kurzen Powernap stärken wir uns für die nun anstehende dreieinhalb stündige Fahrt nach Placerville, wo wir wieder auf einem KOA-Campingplatz übernachten werden.

Den größten Teil der Fahrt verschlafen Ella und Lisa. So gelingt es mir den Wohnwagen unbemerkt die Haarnadelkurven an der neuen Priest Grade am Highway 120 herunter zu manövrieren und mehrere kurze Fotohalte, unter anderem am Don Pedro Lake, einem Stausee mit einer Fläche von 5.240 Hektar und einem Volumen von über 12 Millionen Kubikmeter Wasser.

Kurz nach dem Sonnenuntergang — mit einer aufreibenden letzten halben Stunde auf Grund von starken Zahnschmerzen bei Ella — erreichen wir 18 Uhr den Campingplatz.

Ich hoffe die beiden kurieren sich heute Nacht gut aus und wir können morgen mit neuer Kraft weiterfahren. 🙂

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Kings Canyon Nationalpark

Unser heutiger Ausflug führt uns in den Kings Canyon Nationalpark, um Sequioa-Bäume zu sehen. Den Sequioa Nationalpark können wir auf Grund der Witterungsverhältnisse dort nicht besuchen.

PLEASE PRESS 1 FOR MORE INFORMATION

Nach dem Aufstehen und Frühstücken bereiten wir Sandwiches, Gurken und Tomaten für unsere Wander-Verpflegung vor und kochen Tee, da auf der Nationalpark-Webseite vor Schnee und Eis gewarnt wird. Auch Schneeketten sollen unbedingt im Auto vorhanden sein, heißt es auf der Webseite weiter.

Um situationsaktuelle Wetter- und Straßeninformationen zu erhalten gibt es eine Telefonnummer, bei der eine Ansage durchläuft. »Thank you for calling the Sequioa Kings Canyon Information Hotline, Press 1 for current conditions.« Über die von uns geplante Zufahrt gibt es keine Einschränkungen zu berichten und so setzen wir uns in Bewegung. Wir fahren vom Nachtlager auf den Highway, folgen diesem für nicht mehr als vier Meilen bis Lisa uns aus dem Central Valley eine gut ausgebaute Straße ins Gebirge fährt. Die Landschaft ändert sich hier sehr plötzlich: Eben noch sind wir an großen Orangenplantagen vorbeigefahren, eine weite Ebene wohin das Auge blickt und nun: Mittelgebirgsberge, mit scharfen Steinen durchzogene saftige Bergwiesen, kahle in den Winterschlaf verfallene Laubbäume. Die Straße windet sich innerhalb von 40 Meilen über 1.500 Höhenmeter an den Hängen hinauf zum Portal des Kings Canyon Nationalpark.

Wir verlassen die Ebene mit ihren Plantagen und fahren ins Gebirge.

JAHRESKARTE ZUM PREIS VON ZWEIEINHALB PARKS

Wir entscheiden uns am Checkpoint einen Annual Pass für 80 Dollar zu kaufen, mit dem wir ein Jahr lang alle Nationalparks ohne zusätzliche Gebühren bereisen können. Das lohnt sich schon ab dem dritten Park: Für die Einfahrt in die großen Parks mit dem Auto werden 35 Dollar fällig — und da wir noch weitere Besuche innerhalb der nächsten Woche geplant haben rentiert sich die Anschaffung bestimmt.

VON 15 GRAD ZU 2 GRAD IN 40 MINUTEN

Mit jedem erklommenen Höhenmeter ändert sich die Vegetation. Wir stellen fest, dass es sich hier ganz anders verhält als bei uns in Europa: Die große Ebene, das Tal ist fast baumlos, hier und dort mal eine Gruppe Eucalyptusbäume, Palmen, und viele Plantagen mit unterschiedlichen Gehölzen. Je höher wir kommen, desto vielseitiger wird die Landschaft. Wir erkennen auf der Fahrt Laubbäume und alte Obstbäume in den unteren Gebirgsregionen. Je höher wir kommen, desto mehr Büsche und Sträucher, Pinien und andere Nadelhölzer sehen wir.

Kurz vor dem Erreichen des Nationalparks stoßen wir erstmals auf Schnee am Straßenrand, erst wenig, dann etwa ein Meter hoch zusammengeschoben und mit Erreichen des Parks nochmal etwas höher. Schneeketten oder gar ein kleineres (zusätzlich) gemietetes Auto brauchten wir auf keinen Fall. Die Straße ist in einem super Zustand und die Temperaturen steigen in den kommenden Tagen sogar nochmal an — Niederschlag ist nicht in Sicht.

Auf dem Parkplatz des Visitor Center stellen wir unser RV ab und wir ziehen unsere Wintersachen und Wanderstiefel an, um auf die Suche nach dem General Grant Tree zu gehen, einem der größten Bäume der Welt.

BÄUME SO GROSS, DASS SIE NICHT AUFS BILD PASSEN

Auf Grund der Schneehöhe abseits der Straßen folgt unsere Wanderung der asphaltierten Straße und wir stapfen die Serpentinen hinab bis zu einem Parkplatz, an dem ein kleiner Rundweg mit Informationen zu den Mammutbäumen beginnt. Auf unserem Weg dahin halten wir mehrfach für Fotos an, aber es ist schwierig die Bäume in ihrer Gänze aufs Bild zu bekommen: Der Durchmesser dieser Baumriesen ist zwischen 6 und 12 Meter, sie wachsen über 70m und thronen somit über den Wipfeln der umliegenden Zedern und Pinien.

Angekommen, beschließen wir den kleinen Rundweg zu begehen, in dessen Verlauf wir auch den General Grant Tree sehen werden, den dritt größten Baum der Welt. Sein Alter wird auf über 1.700 Jahre geschätzt. Auf dem Rundweg gibt es auch die Möglichkeit durch einen ausgehöhlten Sequioa-Baumstamm zu gehen. Da kommen wir uns sehr klein und unbedeutend vor.

Nachdem wir den Rundweg abgeschlossen haben, spazierten wir wieder bergauf zum Wohnmobil, um dort eine Mittagspause einzulegen. Wir spazieren zum kleinen Shop für ein paar neue Postkarten, zwei kleinen Brotdosen für Ella und einem Sticker, vor dem Visitor Center stempeln wir unsere Reisepässe mit dem offiziellen Nationalpark-Stempel. Im gegenüber des geparkten Autos befindlichen Post Office kauften wir noch ein paar (diesmal richtige Briefmarken) und steckten endlich die bisher geschriebenen Karten in den Briefkasten.

Ergriffen von der schieren Größe der Bäume und dem Gedanken, was sie wohl schon alles erlebt haben, spazieren wir durch den General Grant Grove.

AUF HALBEM WEG IN DEN YOSEMITE

Bereits im Vorfeld haben wir uns die Streckenplanung der kommenden Tage angeguckt und einige Campingplätze reserviert, damit wir nicht wieder das gleiche Problem bekommen wie gestern.

Der nächste Stellplatz befindet sich in Oakhurst, auf halbem Weg in den Yosemite Nationalpark. Das bedeutet für uns, dass wir noch einmal etwa 2 Stunden auf der Straße verbringen. Wir kommen am späten Nachmittag an, checken schnell ein und nutzen das verbleibende Rest-Tageslicht für einen kleinen Spaziergang durch das Städtchen. Wir finden einen Supermarkt und machen noch einige kleine Besorgungen, bevor wir zurück zum Wohnmobil spazieren. Viel ist nicht mehr los abseits der Hauptstraße, wie wie auch an den vor uns grasenden Rehen sehen konnten.

Nach einem Glas selbst gemachter Bowle aus Wein und Mandarinenkompott und einer Portion Nudeln spielen Lisa und ich noch eine Runde Backgammon und fallen dann müde aber glücklich ins Bett.

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Lake Isabella → Minkler

TALFAHRT ENTLANG DES KERN RIVER

Unsere Weiterfahrt führt uns durch die wunderbare Schlucht die sich der Kern River in die Berge gearbeitet hat. Nach den vielen Tagen in der Wüsten staunen wir über die Vielfalt der Pflanzen und Grüntöne und können uns kaum sattsehen an der Landschaft. Außer ich. Denn ich habe heute Fahrdienst.

Die Straßen sind unglaublich eng und wurden eigens mit Dynamit aus den Bergen gesprengt. Leitplanken kennen die Amerikaner zwar auch, diese werden aber eher sporadisch eingesetzt und auch selten erneuert, falls mal eine nach Inanspruchnahme nicht mehr verankert ist. Dementsprechend wurde von der Rückbank eher wortlos bestaunt, damit die Fahrerin schön auf die Straße schaut. Ich habe aber, weil ich von allen das größte Fenster habe, dennoch was von der wundervollen Landschaft sehen können.

Blick auf noch breite Straßen und lange Abschnitte ohne Kurven -– das sollte sich rasch ändern.

FAHRT DURCH DAS CENTRAL VALLEY

Im Tal angekommen wechselte sich die Landschaft erneut sofort. Nun begrüßten uns weite Orangenplantagen. Diese sollten uns die restliche Fahrt über auch weiter begleiten.

Das Navi zeigte uns noch ca. zweieinhalb Stunden an.

Das bis zu 100km breite und 700km lange Central Valley ist Kaliforniens produktivstes Agrargebiet. Uns begleiteten auf dem Weg nach Fresno Orangen-, Nuss- und Apfelplantagen aber auch mehrere Kuhzuchtbetriebe sowie Rebflächen. Zugegeben -– kalifornischer Wein wirkt nach dieser Fahrt weniger einladend wenn man weiß. dass er direkt am Highway angebaut wird und mit den Abgasen der Autos in Berührung kommt.

Das sich öffnende Tal begrüßt uns mit Plantagen mit leuchtend orangenen Früchten.

Die Fahrt zog sich in die Länge. Ella wollte nicht mehr schlafen und wurde unruhiger. Glücklicherweise führte die beschwingte Fahrweise meiner Mitmenschen dazu, dass ich auch den Turbo im Getriebe einlegte und etwas Zeit aufholte.

FRESNO

Fresno sollte unser heutiges Ziel sein. Wir hatten bei unserer ursprünglichen Routenplanen ebenfalls eine Übernachtung in Fresno eingeplant und dachten auch bei der aktuellen Reiseplanung, dass sich ein Stopp hier sicher lohnt. Auch, weil der nächste Nationalpark auf unserer Liste von hier aus gut zu erreichen ist.

Leider gibt es hier kein KOA -– von diesem Anbieter waren bisher alle Campingplatz, die wir besucht hatten und bei denen wir uns auf mehr oder weniger gleichbleibende Standards freuen konnten.

Matthi hatte im Vorfeld zwei verschiedene Campingplätze rausgesucht, die allerdings nur telefonisch zu kontaktieren waren und da gestern keiner von uns Lust hatte dieses Telefonat zu führen waren wir blauäugig drauf los gefahren.

Nun, Fresno selbst ist keine Stadt in der man länger als nötig bleiben möchte und die Campingplätze, welche an Sonntagen wie heute leider nicht besetzt waren, teilten uns dann telefonisch mit, dass sie bereits ausgebucht seien. Praktisch.

Plan B musste her: Wir suchten das nächste Walmart auf. Hier gibts immer große Parkplätze auf denen man ungestört eine Weile parken kann ohne aufzufallen. Genau das haben wir uns zu Nutze gemacht und dort gegoogelt, welcher Campingplatz nun in Frage kommt. Matthi fand nach kurzer Zeit einen, der sogar noch besser für unseren morgigen Besuch im Sequoia Nationalpark gelegen ist. Schnell wurde dieser online gebucht und ab ging’s für ein paar Besorgungen in den Walmart.

WALMART – GRÖSSER, BREITER, AMERIKANISCHER

Dies war unser zweiter Walmartbesuch, aber mit dem Ersten war dieser nicht zu vergleichen. Nicht nur, dass dieser ungefähr drei mal so groß war, wie der Erste in dem wir waren. Nein, es gab sogar frisches Obst und Gemüse. Wir verliefen uns so oft, dass wir mehrmals zurück zum Anfang mussten, weil wir was vergessen hatten. Ohne Einkaufszettel sollte man einen Walmart nicht betreten! (Uns fehlt immer noch Frischkäse!)

Liebe Grüße an meinen Bruder an dieser Stelle: dieses Mal haben wir mehrere Menschen mit fahrbarem Untersatz gesehen und auch die ein oder andere Kleiderwahl der uns begegnenden Mitmenschen konnten uns hinter unserer gesichterverbergenden Masken ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern.

An der Kasse riss uns die Kassiererin dann ein Loch in die Tüte der kleinen Brötchen und weil sich ewig kein freier Mitarbeiter finden lies, der uns neue holt, bin ich eben selber losgelaufen. Ich habe davor die Mitarbeiter beobachtet und die haben sich eher wie Schnecken fortbewegt. Auf meinem Weg begegneten mir übrigens drei Mitarbeiter, die sich irgendwo an Regalen langweilten und eigentlich den Weg für mich hätten zurücklegen sollen. (Aber mir bricht ja kein Zacken aus der Krone wenn ich selber loslaufe!)

DURCH ORANGEN NACH MINKLER

Eine halbe Stunde vom Walmart entfernt, und nachdem wir uns verfahren hatten und ich uns unbeschadet linksabbiegend über den Highway gebracht hatte, waren wir endlich da.

Eingereiht steht nun
der RV bereit
zu ruh’n.

Ist nett hier. Überschaubar, ausgebucht und direkt am Bach gelegenen rollten wir auf unseren Platz.

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir auf dem Spielplatz, spazierten wir an den hier angelegten See und dem dahinterliegende Fluss und staunten über verschiedene Flaggen von Trumpanhängern. Ich denke die „Trump won“ Flagge fanden wir am besondersten (ist kein echtes Wort, darf man schreiben wie man will!)

Sonnenuntergangsspaziergänge sind beinahe zur Routine geworden um den Tag zu beenden und danach den RV für die Nacht vorzubereiten.

Der Abend ging bei Nudeln zu Enden und es wurde wie gewohnt laut im Wohnwagen, denn die Zähne schieben sich bei Ella erbarmungslos und ohne Rücksicht auf Urlaube aus dem Kiefer.
Zudem hat das Kind aus Gründen die wir nicht verstehen Panikattacken, wenn Mama oder Papa das kleiner Bad im Camper betreten um zu duschen.

Wir planen nun die letzte Woche unserer Urlaub, um so viel wie möglich aus der verbleibenden Zeit zu machen und trinken dabei guten, kalifornischen Highway Weißwein.